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Ortschronik

Auszüge aus der damaligen Rechtsordnung

Die Gewerbe-entwicklung

Frauenwald als Kurort

Lebensverhältnisse und Wesen der Frauenwalder

In unmittelbarer Nähe der alten Grenzstraße, des Rennsteig, liegt Frauenwald, langgestreckt nahezu auf der höchsten Höhe des Gebirges. Meilenweite Fichten- und Buchenwälder umschließen die Flur, und reichen sogar bis an seine Straßen. Fast eben verläuft der Kamm, laufen die Wege, stundenweit wandert das Auge und ahnt schon die Möglichkeiten eines bequem begehbaren Geländes, oder aber es locken die steilen An- und Abstiege, deren alpines Gepräge man hier gar-nicht vermutet hat.Frauenwald
800 Meter hoch liegt dieser Ort. Die Luft ist sauber, staubarm, erfrischend und wird von keiner Industrie verschlechtert; selbst in den heißesten Tagen sorgt ein leises Lüftchen für die notwendige Erfrischung.
Die Sage über die Entstehung des Ortes Frauenwald bezieht sich zwar auf das Jahr 1177, wo Graf Poppo von Henneberg sich bei der Jagd verirrte, und von einem Köhler aufgefunden wurde. Dieser brachte ihn auf die Erfurt-Nürnberger Geleitstraße zurück. Der Graf war froh, wieder bei den Seinen zu sein und gestattete dem armen Köhler einen Wunsch zu äußern. Dieser wünschte sich an dieser Stelle eine kleine Kapelle, damit er wenigstens auch einmal ein Gebet sprechen könne. Dieser Wunsch wurde erfüllt, die Kapelle nach dem Schutzheiligen der Fuhrleute, die Nikolauskapelle genannt.
Seinen Ursprung verdankt Frauenwald einer der wichtigsten Straßen des östlichen Thüringer Waldes. Der Erfurt-Nürnberger bzw. Erfurt-Würzburger Geleitstraße, die von Ilmenau kommend über den Kamm des Sonneberges weiter nach Nürnberg führte.

An dieser Straße, auf dem Sonneberg, stand nun die gespendete Kapelle, die von Graf Poppo von Henneberg 1218 an das Kloster Veßra übertragen wurde. Das dürfte die erste Erwähnung überhaupt sein. Die Kapelle hat also bereits im Jahre 1218 bestanden. Kloster Veßra baute sie dann zu einer Probstei mit Frauenstift aus. Dem ersten chronokalischen Beleg von 1218 folgt der erste urkundliche Nachweis vom Jahre I 323. Syfridus, Probst zu Veßra, verkaufte der Kirche des heiligen Nikolaus und dem dortigen Nonnenkollegium des Prämonstratenser Ordens zwei Güter, und zwar in Rentwertshausen und Hinternah. Das Frauenstift heißt deshalb nicht „zum Frauenwald", wie es insgeheim ausgesprochen wurde und den Anschein erhebt, als sei es der lieben Mutter Gottes, Frau Maria genannt worden. Es muß heißen: „zu den Frauen" also zu den Nonnen auf dem Walde. Wie das jetzige Schleusingerneundorf Anno 1406 „das neue Dorf unter den Frauen" genannt wurde. KircheDaher also der Name zu den Frauen, zuletzt „Frauenwald". Das vorher erwähnte Kloster muß man sich sehr klein vorstellen. Vielleicht war es ein Fachwerkhaus mit Lehmfüllung und einem Schindeldach, daneben eine kleine Kirche gleicher Bauart. Und vermutlich standen Kloster und Kirche am gleichen Platz, wo sich heute die Kirche und das Pfarrhaus befindet. Um Kloster und Kirche haben sich dann im Laufe der Jahre die Bewohner angesiedelt. Wenn auch zum Teil die ersten Siedler Fuhrleute und Kaufherren waren, so ist doch wahrscheinlich, daß die meisten von Süden aus dem fränkischen Henneberg gekommen sind. Wie auch die Geschichte der Besiedlung des Thüringer Waldes zeigt.Nur wenige dürftige Hütten wurden für die ersten Bewohner, wie Waldarbeiter, Schmiede und Bergleute gebaut. Auch kann bis in die Reformationszeit hinein die Zahl dieser Holz- und Bergleute nicht groß gewesen sein. Das Kloster und die hiesige Einsiedelei fanden in der Reformationszeit ihr Ende. Der Ort hatte 1500 etwa 130 Einwohner und war der erste kirchliche Mittelpunkt auf den Höhen des Thüringer Waldes. Bereits im 16. Jahrhundert gehörten die Orte Schmiedefeld, Vesser und der thüringische Teil von Stützerbach kirchlich zu Frauenwald und wurden von hier verwaltet.

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Auszüge aus der damaligen Rechtsordnung

Gewissenhaft wurden die Vorschriften der vorbildlichen Bestimmungen der Landesordnung von 1539, die auf germanisches Recht zurückgreifen, erfüllt. Nach dieser hatten die Ehebrecher(innen) außerordentliche strenge Strafen zu erwarten. Beim ersten Ehebruch mußten sie 8 Tage nur bei Wasser und Brot und 4 Sonntage nacheinander unter der Kirche (während des Gottesdienstes jedermann zum Exempel) stehen. Beim 2. Male 4 Wochen bei Wasser und Brot an den Pranger gestellt und aller Ehren entkleidet. Beim 3. Male drohten noch härtere Strafen, oft die Todesstrafe.
Auch war das Rauchen in der Öffentlichkeit, vorallem auf der Straße, wegen der Brandgefahr so nah am Walde bis in die neueste Zeit hinein verboten (wenigstens bis 1863). Mit viel größerem Nachdruck hatte die Kirche früher das Tabakrauchen überhaupt unterbunden, wie ein Erlaß des Hennebergischen Konsistoriums vom 12. Dezember 1653, der an sämtliche Geistlichen erging, beweist.
Der Erlaß wandte sich gegen das im 30 jährigen Krieg durch spanische Soldaten nach Deutschland gebrachte Tabakrauchen, das auch in Henneberg bei vielen Bewohnern Nachahmung gefunden hatte.

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Die Gewerbeentwicklung von Frauenwald

Die Gewerbe, die wir in Frauenwald kennenlernen, hängen mit dem Wald und seinem Holzreichtum zusammen. Der Wald gab den Holzleuten und Kohlenbrennern den notwendigen Lebensunterhalt. Viehzucht wurde fast gar nicht betrieben. Die von Hans Sachs am 31. März 1483 bei Frauenwald erbaute Glashütte (er hatte dafür der hennebergischen Herrschaft soviel Trinkgläser zu liefern als man benötigte), ging aber bald wieder ein.Frauenwald
Eine weitere Glashütte, die am Ort gestanden hat, dürfte noch älter sein. Davon gibt uns aber keine Nachricht und keine Urkunde Zeugnis. Neben den Holzbauern, Glashändlern und Köhlern gab es am Ende des 18. Jahrhunderts ein lohnendes Vorspann- und Fuhrwesen. Da diese Fuhrmänner zumeist auch noch Weinhändler waren, so sollen sie für die damalige Zeit sehr wohlhabend gewesen sein. Ja, anno dazumal, als noch kein Dampfroß oder ein Kraftwagen die Höhen des Gebirges überwand, als noch die Landstraße der Hauptverkehrsweg war, da blühte das Geschäft der Weinhändler und Fuhrleute. Die Weinhändler fuhren auf zwei-rädrigen Karren neun bis zehn Wochen von der Heimat fort und holten die viel gefragten Rhein- und Frankenweine, ja sogar Weine aus Frankreich. Ihre Absatzgebiete waren Sachsen bis zum Erzgebirge und Brandenburg.Erst in den Jahren um 1850 ließ der Weinhandel nach; dafür wurden Spirituosen, Rum und Arrak besonders nach Bayern hin gehandelt. In der sächsischen Zeit stand der Salzhandel und Verkauf nicht unter dem Verkaufsrecht des Staates, man nützte diese Zeit und holte dieses unentbehrliche Gewürz barrenweise in die Heimat. Von der Nordsee wurden Seefische und dergleichen mehr herbeigeschafft. Es soll jedoch an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, daß die allerreichsten Weinhändler zu allen Zeiten in Hinternah gewohnt haben.
Der Bau der Eisenbahn untergrub den Wohlstand dieses Gewerbes und damit auch die Existenz einer Reihe anderer Berufe, die auf den Fuhrbetrieb eingestellt waren, z.B. der Schmiede, der Wagner, der Vorspänner, der Huf- und Waffenschmiede sowie der Wirtshäuser. In den weiteren Jahrhunderten gab es in Frauenwald Leinenweber, bei einem einträglichen Flachsanbau, der jedoch wieder zum Erliegen kam. Ferner hielt 1825 die Porzellanmalerei durch Johann Günter Kessler ihren Einzug. Auch ein paar Kammacher hatten sich hier niedergelassen. Es ist heute für uns fast unvorstellbar, welche ungeheure Arbeit zu leisten war, um mit Kammachen den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen. Ein Kamm kostete 6 Pfennige und in einem Arbeitstag wurden in 12 Stunden 50 Kämme hergestellt. Bald schon gingen diese Gewerbe wieder ein und die meisten Einwohner ernährten sich durch Harzscharren und Holzhauen. In der strengen Winterzeit wurden zu Hause Wichsschachteln gefertigt, die nach Schleusingen und Schmiedefeld geliefert wurden. Am Bohrstuhl wurden bis in das 19. Jahrhundert die Holzröhren gebohrt. Erst die eigenliche Entstehung der Glasindustrie ließ den Ort aufblühen und wachsen. Nachdem 1862 Theodor Kühne aus Stützerbach die Glasindustrie sowie die Verarbeitung von Glas an Lampen nach Frauenwald gebracht hatte, wurden weitere Glasfabriken gegründet. Im Fraubachtal entstand 1884 eine Glashütte, die vielen Einwohnern Arbeit und Brot gab. 1887 brannte diese Glashütte nieder. Sie wurde dann neu errichtet und schloß 1930 für immer ihre Pforten. Inzwischen war am Riesenhaupt die Glashütte von Ernst Schübel 1922 erbaut worden. Auch diese wurde am 20. Juni 1953 wegen Facharbeitermangel und die dadurch bedingte Unrentabilität für immer geschlossen. Doch alle anderen Glasbetriebe haben sich danach prächtig entwickelt und lieferten ihre Präzisionsgeräte in alle Welt.

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Frauenwald als Kurort

Ab 1949 begann der Kurbetrieb sich wieder langsam zu entwickeln. 200 Gäste im Jahr, so fing es wieder an. Nun konnte man die Frauenwalder sehen. Hier ein paar Dachziegel eingesetzt, dort einen Zaun repariert. Beete angelegt, Fensterrahmen gestrichen. Das Häuschen konnte sich wieder sehen lassen. Bald ging es an größere Aufgaben. Eine Kanalisationsanlage wurde gebaut. Blumenrabatten angelegt, der
Marktplatz mit einem Springbrunnen verschönert. Das Freibad wurde zum größten Teil durch freiwilligen Einsatz im Nationalen Aufbauwerk wieder erneuert. Das ehemalige Berghotel wurde als FDGB-FerienheiFrauenwaldm „Raymonde Dien" großzügig ausgebaut. Die Bedeutung als Urlaubsort stieg von Jahr zu Jahr, sodaß in den 80er Jahren jeder froh war, einen Urlaubsplatz hier zu erhalten. Zudem wurden die zentralen Einrichtungen wie Bergbad und Armeeheim weiter ausgebaut, und auch die Privatzimmer nahmen ständig zu. 1900 waren es 40 Erholungssuchende einer besseren Gesellschaft, die es sich leisten konnte, irgendwo ihren Urlaub zu verbringen. 1934 waren es 1000 Gäste, 1938 fast 7000 Urlauber; Frauenwald stand in der Reihe der anerkannten Kurorte nach der Zahl der Gäste an ö.Stelle. Dann kam der Krieg, aber unmittelbar nach Kriegsende ging es wieder aufwärts. 1951 waren es 6055 Gäste, 1952 -8885 Gäste und 1954 = 14628 werktätige Urlauber, die Frauenwald besuchten.
Es war klar, daß die Einheit der beiden Teile Deutschlands neue Maßstäbe setzte. Es ist für jedermann sichtbar, daß sich Frauenwald der nun großen Konkurrenz anderer Urlaubsorte stellt. Die Arbeit der Gemeinde war dabei hervorragend, die Infrastruktur wurde wesentlich verbessert, und jeden Tag geht es Stück für Stück weiter.

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Lebensverhältnisse und Wesen der Frauenwalder

Die Frauenwälder sind, wie überhaupt die Bergbewohner des Thüringer Waldes, eng untereinander verbunden. Schon 1611 in dem Erbhuldigungslibell der Grafschaft Henneberg kommen viele Namen der noch jetzt in Frauenwald weit verbreiteten Familien vor, z.B.: Kahl, Pfeuffer, Hanf, Schmidt; später kamen Namen wie Keßler, Kühnlenz, Häußer, Blau, Lusky hinzu. Nach dem Kriege 1939-45 Frauenwaldkamen Familien aus dem Osten hinzu und dann auch Namen wie Kittel, Stephan, Steinbeck, Gramatzki, Kahler, Pfennig, Schröfel, Wilm, Hoffmann, Klotzbügel und viele andere mehr. Es ist bewiesen, daß sich diese Familien zu allen Zeiten immer wieder durch Heirat zusammengeschlossen haben. Der Zustrom von außen war sehr gering und dann zumeist nur aus der näheren Umgebung. In diesen Bergdörfern herrschte zu allen Zeiten tiefe Not, wie aus alten Akten und Urkunden immer wieder zum Vorschein kommt. Vielmals wurde aus Gnade und Barmherzigkeit den armen Einwohnern das zu zahlende Gefälle u.d.g. erlassen. Wie sollte auch das Arbeiten im Forst, der Bergbau und das winterliche Herstellen der Wichsschachteln und Bütten Reichtümer bringen? Der wenige nebenberufliche Ackerbau wurde zu sehr durch die ungünstigen Witterungsverhältnisse gehemmt. - Es ist hier oben ein zu langer Winter und ein kurzer Sommer. Erst mit Beginn der Industrie in Frauenwald ging es den Einwohnern etwas besser. Doch brachten Krisen und Absatzschwierigkeiten des 19. Jahrhunderts wieder Arbeitslosigkeit.

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SchmiedefeldStuetzerbach